Viel sagen ohne Worte (Ida, Polen 2013)

 

©Opus Film

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Die Wahrheit kann einen Menschen befreien oder zusammenbrechen lassen. Bei Anna ist das anders. Sie sitzt da, das schöne Gesicht ohne große Gefühlsregung und ihre großen dunklen Augen blicken offen, als ihre Tante Annas Leben in 1960er Jahren auf den Kopf stellt: Sie, die junge Frau, stamme aus einer jüdischen Familie. Die Eltern sind während des zweiten Weltkriegs umgekommen. Es ist deswegen so ungewöhnlich, weil Anna als Waisenkind in einem katholischen Konvent aufgewachsen ist und nun in wenigen Tagen ihr Gelöbnis als Nonne ablegen soll. Ihre Tante hatte sich um das Mädchen nicht groß gekümmert. Sie hatte einen Job als harte Richterin, bekannt auch als die rote Wanda, raucht, sauft und ist promiskuitiv. Die tugendhafte Anna wünscht sich nun von ihrer Tante die Gräber ihrer Eltern zu sehen. Gemeinsam reist das ungleiche Paar in die polnische Provinz – auf den Spuren der Vergangenheit. Weiterlesen …

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Oscars2015: Die politischen Festspiele von Los Angeles

©AMPAS

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Neil Patrick Harris in einem weißen Schlüpfer. Eine Szene, die Fans von How I met Your mother nicht so ungewöhnlich finden, hat er doch sich als Barney Stinson schon für so manche Frau entblößt. Als Gastgeber der 87. Oscars in der vergangenen Nacht, war das einerseits ungewöhnlich und andererseits auch nicht. Sonst sind die Moderatoren beim Branchenhöhepunkt des Jahres eher konservativ, charmant und vor allem im wahrsten Sinne des Wortes zugeknöpft. Er dagegen hat kein Problem, eine Szene aus dem Gewinnerfilm des Abends Birdman nachzustellen. So unkompliziert Harris seine Schauspiel- und Sangeskünste zur Schau stellte, saßen nicht alle seine Wortwitze im Verlauf des Abends. Oftmals wartete man auf eine Pointe, allerdings kam sie nicht. Die Taktik der Verzögerung, wie in How I met your mother zum guten Ton gehörte – Wait for it, it’s gonna be legen-……..dary – griff einfach nicht. Schade eigentlich, ich hatte mich auf ihn sehr gefreut. Aber: Der Conferencier der Oscars schwankte zwischen Totalausfall und hübschen Ideen, die Eingangssequenz „Moving Pictures“ fand ich sehr gelungen. So bleibt von den Oscars weniger die Moderation in Erinnerung als vielmehr die politischen Aussagen der Gewinner – natürlich neben den Preisen.

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Oscars2015: Mein Ritual + Prognose

©AMPAS

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There’s no Business like Showbusiness… Für mich sind die Oscars immer ein bisschen was besonderes. Warum? Es ist die wichtigste Filmveranstaltung des Jahres. Als Fan von det janze kann mich das nicht unberührt lassen, wenn es kommenden Sonntag wieder soweit ist. Natürlich gibt es Kritiker, die bei dem ganzen Bohei um Stars und Sternchen aufstöhnen, die die Roten-Teppich-Interviews für Zeitverschwendung halten (was es ja auch ist!) oder bei den Diskussionen um die Kleider der Stars nur die Augenbraue heben. Weiterlesen …

Egotrippin (Höhere Gewalt, S/F/N 2014)

© Alamode Film

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In vielen Filmen hat eine Naturkatastrophe kathartische Wirkung. Im Film Höhere Gewalt tritt genau das Gegenteil ein. Hier stößt sie die Probleme erst an: Die schwedische Familie Tomas und Ebba samt ihren beiden Kindern machen Ski-Urlaub in einem luxuriösen Ferien-Resort in Frankreich. Die Familie sitzt beim Essen auf einer Terrasse eines Restaurants mitten in den Bergen und beobachtet eine kontrollierte Sprengung aus der sich eine Lawine ergibt. Doch anders als geplant, rast diese Schneewalze auf das Hotel zu. Während Ebba ihre Kinder schützt, macht sich Tomas aus dem Pulverstaub. Den Beteiligten ist bis auf den Schrecken nichts passiert, aber Ebba kommen Zweifel: Denkt ihr Ehemann nur an sich selbst? Zumal Tomas die Situation ganz anders wahrgenommen hat. Natürlich sei er bei den Kindern geblieben. Eine Diskussion mit Freunden über diesen Vorfall stürzt Tomas in eine Sinnkrise. Weiterlesen …

Bauch 6 – Hirn 0 (Wild Tales, Argentinien 2014)

©Corner Producciones

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Dieses Gefühl kennt jeder: Es widerfährt einem eine Ungerechtigkeit und man steckt aus moralischen und sozialen Gründen zurück. Jede Szene will vermieden werden, bei der man sein Gesicht verliert. Der Mund bleibt geschlossen. In Gedanken dagegen drangsaliert man sein Gegenüber bis zum Exzess. Ein erhöhter Puls, die Wut im Bauch, doch der Schlag in die Magengrube bleibt aus.  Genau da setzt der argentinische Film Wild Tales an. Lasst den Gedanken Taten folgen und zwar gewalttätige! Warum sollte man die täglichen kleinen Zurückweisungen einfach hinnehmen und alles runterschlucken? In der Filmgeschichte gab es schon den berühmten Ausruf, „I’m mad as hell and I’m not gonna take this anymore“, doch spielte kaum ein Streifen perfide und absurde Phantasien so konsequent und wunderbar zu Ende wie Wild Tales. Weiterlesen …