Wer mit dem Feuer spielt (The affair, Staffel 1)

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Liebe auf dem ersten Blick ist ungefähr so zuverlässig wie Diagnose auf den ersten Händedruck. (George Bernard Shaw)

Gibt es einen glücklichen Menschen auf Erden, müsste es Noah Solloway sein. Er wohnt in New York, arbeitet als Lehrer an einer staatlichen Schule, schreibt in seiner Freizeit Romane, hat vier Kinder und führt eine glückliche Beziehung mit seiner Frau. Einen Riss bekommt Noahs Welt erst, als er mit seiner Familie, seine snobistischen reichen Schwiegereltern in Montauk auf Long Island besucht. Bei einem Halt an einer Raststätte trifft Noah auf die attraktive Kellnerin Allison. Und es passiert, was passieren musste: Der Blitz schlägt ein und zwar die Liebe auf den ersten Blick – im Französischen coup de foudre genannt. Dieses plötzliche leidenschaftliche Begehren zweier Menschen, das jenseits aller Logik liegt. Und als hätte Amor seine Hände im Spiel gehabt, treffen sich Noah und Allison zufälligerweise am Rande einer Party am Strand. Es kommt, wie es kommen muss, die Beiden beginnen eine Affäre.

Eine Affäre – zwei Blickwinkel

Nach dieser kurzen Inhaltsangabe könnte man fragen: „Ja und?“ Warum soll man sich sowas anschauen, was in zahlreichen Filmen (z.B. Eine verhängnisvolle Affäre) schon oft genug durchdekliniert wurde? Mehrere Gründe sprechen dafür, sich die zehn Folgen anzuschauen: Die Serie wird in einer Retrospektive erzählt. Während Noah und Allison ihre Affäre haben, kommt es zu einem Todesfall, der sehr klug mit vielen kleinen Hinweisen in die Serie eingeführt wird. Dazu werden die Beiden nach einigen Monaten von einem Detective befragt. Das ist sehr hübsch gelöst: Jede Folge ist zwei Teile unterteilt. Einmal wird die Geschichte aus der Sicht Noahs und einmal aus der Sicht von Allison erzählt. Das Setting der gemeinsamen Szenen ist gleich, aber die Dialoge und die Wahrnehmung der jeweiligen Protagonisten unterscheiden sich oft fundamental. Nach einigen Monaten sind die Ereignisse ein wenig unscharf geworden bzw. die eigene Erinnerung verklärt und beschönigt: Während Noah beim Zusammentreffen am Strand Allison eine proaktive Rolle zuspricht, was eher einer Männerphantasie gleicht, ist das bei Allison ganz anders. Sie empfand dieselbe Szene viel spielerischer, mehr wie einen verbalen Tango-Tanz. Welche Geschichte die wahre ist, bleibt dem Zuschauer überlassen.

Facettenreiche Charaktere

Grund zwei: Der Fokus liegt ganz klar auf den beiden Hauptcharaktere, da immer einer von Beiden zu sehen ist. Im Gegensatz zu den heutzutage gängigen seriellen Erzählungen ist das eher unüblich, denn Nebenfiguren bekommen keine eigene Präsenz. Auch die sonstigen Handlungsstränge werden über Noah und Allison miteingeflochten, was ein umso runderes Bild abgibt, woher sie kommen und was sie bewegt, eine Affäre anzufangen. Der selbstgerechte Noah will aus seinen geordneten Verhältnissen ausbrechen – Midlife Crises. Sein Name dürfte nicht von ungefähr kommen: Er muss der Sintflut entfliehen, indem er die rettende Arche baut/eine Affäre hat. Und die labile Allison hat den Tod ihres kleinen Sohnes noch nicht verdaut und dadurch ein zerrüttetes Verhältnis zu ihrem Ehemann. Grund drei: Die beiden Hauptdarsteller Dominic West, bekannt aus The Wire als McNulty, und Ruth Wilson dürfen in der Serie die volle Bandbreite an Emotionen ausspielen und erfüllen ihre Charaktere mit sehr viel Leben und Tiefe.

Psychologische Feinheiten

Spannend ist weniger der Fortgang der Handlung als vielmehr die zwischenmenschlichen Nuancen und dieses funken-sprühende Flirren zwischen Noah und Allison. Dazu kommen die psychologischen Feinheiten, wie ein Mensch von Situation zu Situation entscheidet. Ein ewiges Hin und Her zwischen den Gefühlen, was sich im wahren Leben wohl niemand eingestehen will. Dieses Eintauchen in die Psyche der Charaktere gelingt vor allem durch eine feine Inszenierung, die viel Platz zum Mitdenken und Hineinfühlen lässt. Und zu guter letzt: Wer mit dem Feuer spielt, muss auch mit den Konsequenzen der Affäre leben. Denn in dem kleinen Küsten-Örtchen Montauk bleibt solch ein Techtelmechtel nicht unbemerkt.

Fazit: The Affair ist eine gelungene Serie über ein vermeintlich altbekanntes Thema. Die verschiedenen Perspektiven und psychologischen Nuancen machen aus einer gewöhnlichen Idee eine spannende Angelegenheit. 4,5 von 5 Sternen.

P.S: Die zweite Staffel wird im Oktober 2015 herauskommen.

 

 

 

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6 Gedanken zu “Wer mit dem Feuer spielt (The affair, Staffel 1)

    • Definitiv! Nur dass Dominic West Engländer ist und wahrscheinlich ein sehr viel gepflegteres Englisch als Herr Schwarzenegger sprechen dürfte. Aber ja, er ist auch gut durchtrainiert. In der Serie geht er regelmäßig schwimmen…;)

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    • Uh ja dann kommst du bei The Affair voll auf deine Kosten. mehr Dominic West geht gar nicht…! 😉 Ich geb dir mit auf den Weg, dass The Affair doch ganz anders ist als The Wire – nicht, dass falsche Erwartungen geschürt werden! Im Grunde haben sie nur das „The“ gemeinsam. 😉

      Gefällt 1 Person

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