Langweile in Verzug (Magic in the moonlight, USA 2014)

©Gravier Productions

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Der Populär-Wissenschaftler Erich von Däniken ist umstritten. Er sagt, dass Aliens die Erde längst besucht haben und unter anderem für den Bau der Pyramiden verantwortlich sind. Jeder würde sagen, von Däniken sei ein Spinner. Dagegen meinte ein bekannter Physiker, dass von Däniken nicht unrecht habe. Seine Theorie könne bislang jedenfalls nicht widerlegt werden, obwohl sie natürlich sehr unwahrscheinlich sei. Ähnlich verhält sich das Ganze beim aktuellen Woody Allen-Film Magic in the Moonlight. Berlin 1928: Der sarkastische Meisterzauberer Stanley (Colin Firth) bekommt den Auftrag in Südfrankreich die reiche Familie Catlegde zu besuchen, die einem Medium namens Sophie (Emma Stone) auf den Leim gegangen ist. Ausnahmslos alle Familienmitglieder glauben an ihre Kraft in die Vergangenheit und Zukunft zu schauen sowie in Seancen mit Toten sprechen zu können. Stanley, Brite durch und durch, als wäre er dem Burberry-Katalog entsprungen, ist erfahren im Entlarven von Scharlatanerie, kennt er doch alle Tricks seiner Zunft: „What you see, is what you get.“ Die charmante Sophie weiß sich zu helfen, in dem sie Stanley mit richtigen Aussagen über sein Leben vor den Kopf stößt. Der überkorrekte Gentleman traut der Welt nicht mehr – ist Sophie doch ein wahres Medium und gibt es echte Magie? 

In jedem dritten Ei

Unter Woody Allen-Fans gilt eine drei Jahres-Regel: Er bringt zwar jedes Jahr einen neuen Film raus, jedoch nur ungefähr jeder Dritte ist gelungen (Blue Jasmin) – die beiden Streifen dazwischen sind lediglich Fingerübungen (To Rome with love). Magic in the Moonlight fällt eindeutig in die letzte Kategorie: Colin Firth nimmt man seine Rolle als zweifelnden Snob ab, während Emma Stone zwar ein wenig schnippisch sein darf, aber auch nicht mehr. Die üblichen Wort-Duelle sind typisch Woody Allen, die obligatorischen Mann/Frau Kabbeleien entfachen diesmal aber kein Feuerwerk für die Lachmuskeln. Hauptproblem des Films: Der Plot wirkt ein wenig belanglos. Denn der sehr rationale Stanley geht den halben Film einen eigenen Kreuzweg entlang, ob es nun wirklich Magie gibt oder nicht. Höhepunkt seines Martyriums ist Stanleys Versuch zu beten. Mehr Fragestellungen oder Aspekte bietet der Film nicht. Was man Magic in the Moonlight zu Gute halten muss, sind die Schauwerte: Dank der warmen Farben und dem tollen Licht fühlt man sich im Film wie auf einer schönen, aber langweiligen Urlaubsreise: die prächtigen Kostüme und das schöne Anwesen der Catlegdes kommen voll zur Geltung. Zudem gibts pittoreske Schauplätze in Südfrankreich zu sehen: Die berühmte Küstenstraße Grande Corniche fahren Sophie und Stanley entlang. Dabei haben sie eine Autopanne und kommen vom Regen in die Traufe. Sie finden Zuflucht im Observatorium, das von Gustave Eiffel gebaut worden ist, und beobachten völlig durchnässt den Sternenhimmel. Dieselbe Szene hat Allen bei sich selbst geklaut. In seinem Meisterwerk Manhatten passiert genau dasselbe. Was bleibt nach 98 Minuten vermeintlicher Magie? Die Hoffnung, dass der nächste Film des Regisseurs (Irrational Man) ein Volltreffer wird – auch wieder mit Emma Stone in der weiblichen Hauptrolle.

Fazit: Ein Film nur für hart gesottene Woody Allen-Fans. Allen anderen würde ich eher abraten. 2,5 von 5 Sternen.

 

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16 Gedanken zu “Langweile in Verzug (Magic in the moonlight, USA 2014)

  1. Von der Dreijahresregel habe ich noch nichts gehört, aber sie scheint zu stimmen, denn nach BLUE JASMINE kam tatsächlich erstmal nix Gutes. Weder MAGIC IN THE MOONLIGHT noch IRRATIONAL MAN haben mich in irgendeiner Form überzeugt. Das macht Hoffnung auf Cannes. Allens CAFÉ SOCIETY ist ja dort der nächste Eröffnungsfilm.

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    • Ja die aktuelle Muse wird noch zeigen ihren Wurf in einem Allen-Film zeigen dürfen. Bei Stones Vorgängerin Scarlett Johansson klappte das ja gleich beim ersten Film (Matchpoint). Ich würde es mir wünschen, dass die Emma im nächsten Allen Film auch eine Rolle bekommt, in der sie brillieren kann. Bei Magic in the Moonlight war da leider nicht viel zu sehen.

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    • Hmm Blue Jasmine hat tolle Qualitäten, mal abgesehen von Cate Blanchetts Schauspielkünsten. Schöner ist doch die Finanzkrise als Spielfilm kaum vermittelt worden. Während es naturgemäß zig Filme über das Wie und Warum des Supergaus gibt, zeigt Blue Jasmine den tiefen Fall dieser Society-Lady, die mit den Machenschaften ihres Mannes wenig zu tun hatte. Ich finde, er sticht schon raus – gerade auch aus Allen Werk. Was hat dir denn daran nicht gefallen?

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    • Ich kann keine expliziten Punkte benennen. Ich fand den Film an sich irgendwie nur mittelmäßig. Cate Blanchett spielt gut. Vielleicht ist es tatsächlich das Thema an sich, was mir nicht so wirklich zugesagt hat. Auf jeden Fall kann ich mich viel eher an andere Filme von Allen erinnern als an „Blue Jasmine“. Und das ist bei mir immer ein Zeichen dafür, das er nur durchschnittlich war. Hmmmm, ich weiß auch nicht so recht. Werde dem Film wohl doch noch mal eine zweite Chance geben müssen. Irgendwann…

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  2. Ich fand „Magic in the moonlight“ sehr erfrischend. Colin Firth als sarkastischer Zeitgenosse, der sich lange gegen das Unvermeidbare streubt, hat mir erstaunlich viel Spaß gemacht. Gerade nach „Blue Jasmine“, den ich ebenfalls sehr gut fand, der aber an den Menschen kein gutes Haar lässt, lässt Woody Allen hier die Sonne ins Herz.

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    • Schauspielerisch hatte ich auch überhaupt nichts auszusetzen. Die Wort-Geplänkel waren Woody-Allen typisch gut, aber der Film hatte für mich einfach zu wenig Substanz. Blue Jasmine war auf seine eigene Weise grandios, tragisch und deprimierend, aber auch sehr witzig anzuschauen, wenn sich Cate Blanchett verzweifelt abstrampelt, ein „normales“ Mitglied der Gesellschaft zu werden.

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    • Ja, denn es liegt weniger am Cast als am Drehbuch, das für Woody Allen-Verhältnisse einfach zuwenig bietet. Natürlich hat er auch schon andere Durchhänger-Filme (September, Cassandras Will), aber Magic in the Moonlight ist schon ein besonderes Ausrufezeichen. Vielleicht es auch daran, dass ich in Sachen Film auch ein bisschen zu verwöhnt bin. Wenn du einen Abend Urlaub in warmen Gefilden brauchst und du ohne schlechtes Gewissen einschlafen willst: DAS ist dein Film!

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    • Gerne. Ich würde nur einschränken: „Blue Jasmine“ ist kein typischer Woody Allen. Wenn du die Welt durch Woody Intellektuellenbrille sehen willst, fang mit den Klassikern an (Annie Hall, Manhatten, Hannah und her sisters oder auch Deconstructing Harry). Wenn dir diese Filme nicht gefallen, brauchste nicht weitergucken. Wenn ja, genieß die Stunden! 😉

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    • Danke für das Kompliment. Bislang hab ich auf meinem Blog immer versucht den Leuten nur tolle Sachen zu empfehlen. Nun war es Zeit für einen Verriss.
      Dabei hat es mich schon ein bisschen geschmerzt überhaupt über den Film zu schreiben, denn eigentlich mag Woody Allen sehr gern. Annie Hall, Manhatten oder Midnight in Paris stehen bei mir in der ewigen Bestenliste sehr vorne.

      Ein bisschen Verschleiß macht sich bei Woodys Produktionswut einfach bemerkbar. Schon dieses Jahr hat er ja wieder alle Möglichkeiten mit „Irrational Man“ seine Scharte auszumerzen.

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