Auf dem Drahtseil (House of cards, Staffel 3)

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Francis Underwood hat es endlich geschafft. Nach zahlreichen Intrigen, Morden und Machtspielchen steht er an der Spitze der Vereinigten Staaten von Amerika. Er ist Präsident, oberster Befehlshaber und sitzt am längsten Hebel der Macht. Nun gilt es, das mühsam aufgebaute Kartenhaus zu erhalten und zu pflegen. Doch das Leben als Präsident ist kein Zuckerschlecken. Seine Beliebtheit ist nach einem halben Jahr unterirdisch, er hat kein bedeutendes Gesetz auf den Weg gebracht und das Vertrauen seiner Partei hat er auch verloren. Bei der nächsten Präsidentschaftswahl soll ein neuer und frischer Kandidat ran. In der dritten Staffel House of Cards kämpfen die Underwoods um die Balance. Und die Fallhöhe ist groß.

Harter Gegner: Russland

[leichte Spoiler!] Underwood muss handeln. Er will ein Jobprogramm namens „Amerika works“ auf den Weg bringen, das innerhalb von zwei Jahren Vollbeschäftigung garantieren soll. Dazu braucht er Geld. Geld, das er nicht hat. Also bemächtigt er sich per präsidialem Erlass der Gelder der amerikanischen Notstandshilfe, die z.B. für Hurrikanopfer  gedacht ist. Sein Gebaren erinnert an einen kleinen Tyrannen – ich nehme mir, was ich brauche – und stößt bei beiden Parteien auf Gegenwehr. Zumal sich über dem Atlantik der wohl größte Sturm seit langer Zeit zusammenbraut und die Kasse der Notstandshilfe nun leer ist. Auch außenpolitisch steht Underwood unter Druck: Um die Beziehungen mit Russlands Präsident Petrov zu bessern, treffen sich die beiden Staatsmänner in Washington. Beim gemeinsamen Bankett sitzen auf Einladung Underwoods auch die echten Mitglieder der Punk-/Protestgruppe Pussy Riot  am Tisch, die in vergangenen Jahren weltweit für Aufsehen sorgten. In der Realität wie in der Fiktion kommt es zum Eklat: Der russische Präsident spendet versöhnliche Worte bei einem Toast, Pussy Riot werfen jedoch bei seiner kleinen Rede empört die Gläser auf den Tisch und ziehen ab. Nicht zufällig erinnert Underwoods russisches Pendant an das reale Vorbild Putin. Schlau und verschlagen sorgt sich Petrov um seinen Machterhalt, wofür ihm alle Mittel recht sind. Er wird von Lars Mikkelsen beeindruckend verkörpert, dessen kleiner Bruder Mads in den vergangenen Jahren in aller Munde war. Auch das aktuelle Geschehen in Russland fließt in die Serie mit ein. Ein amerikanischer Schwulenaktivist wird von den russischen Behörden festgehalten. Underwood und seine Frau Claire kämpfen um seine Freilassung, wobei sich Petrov als beinharter Gegner erweist. Ihm persönlich seien die Verschärfung der Gesetze gegen Schwule nicht so wichtig, aber das russische Volk und seine Tradition würden solche Maßnahmen verlangen. Wer weiß, vielleicht denkt ja Putin auch so?

Reagieren statt agieren

Die First Lady Claire Underwood kämpft mit ihrer Rolle an der Seite ihres Mannes. Sie will aktiv in die Politik eingreifen und etwas bewegen, worauf sie sich von ihrem Mann zur UN-Botschafterin ernennen lässt. Doch ihre Bemühungen und Pläne für eine konstruktive Nahostpolitik müssen immer wieder der Real-Politik des Präsidenten geopfert werden, wobei er recht rigoros und egoistisch handelt – ohne die Meinung seiner Frau einzuholen. Ein Vorgehen, das die Ehe nachhaltig belastet. Überhaupt scheint es für das Ehepaar wesentlich schwerer zu sein, sich an der Spitze zu behaupten. Die Underwoods müssen vielmehr reagieren als agieren, sind von Entwicklungen und Personen getrieben, auf die sie keinen Einfluss haben – anders als in der heimeligen Welt des amerikanischen Kongresses. Dort hatten sie beinahe gegen jeden Widersacher etwas in der Hand, um ihn zu erpressen und notfalls zu manipulieren. Underwood, einst der große Marionettenspieler, muss nun mit Hauen und Stechen seinen Platz an der Sonne verteidigen. Während seine Machenschaften oft im Dunkeln blieben, steht er nun mit seinen Aktivitäten im Scheinwerferlicht. Einmal sagt er in die Kamera: „“Sometimes I think, the presidency is the illusion of choice.“  Auch fehlt ihm sein rechte Hand Doug Stamper, der sich zwar nach seinem Unfall langsam erholt, aber in der Administration Underwood keine Rolle spielt. Er war der Ausputzer und der Mann fürs Grobe und Dreckige. Ausgerechnet Doug schließt sich Underwoods größtem innenpolitischem Widersacher an: Heather Dunbar arbeitete viele Jahre als Generalstaatsanwältin und möchte jetzt die Vorwahlen der Demokraten gewinnen. Sie kämpft gegen Underwood mit Hilfe von Doug.

Der Schriftsteller als Spiegel

Interessant empfand ich auch den Handlungsstrang um den Schriftsteller Tom Yates: Underwood will sein Programm „Amerika works“ voranbringen und bewerben. Er gewinnt dafür den renommierten Schriftsteller Yates, über ihn ein Buch zu schreiben. Dazu begleitet Yates den Präsidenten bei seinen Reisen. Je näher er dem ersten Mann im Staat rückt, desto weniger will er über „America works“ als vielmehr für die Ehe der Underwoods schreiben. Er hält damit der Ehe den Spiegel vor. Ein Schriftsteller als Korrektiv, das hat man lange nicht mehr gesehen. Gerade in einer Welt, die von Umfragen und Zahlen getrieben ist, braucht es einen Schreiberling, um hinter die Fassade in den Abgrund zu blicken. Denn ihn interessieren nicht die lieblosen Daten, sondern die Seelen der Underwoods. Ob Präsident Obama solch ein Projekt zugelassen hätte? Wohl kaum, denn solche Offenherzigkeiten können schnell zu einem Absturz führen. In Staffeln eins und zwei fühlte sich die Serie ein Tick bissiger an. Was auffällt: Es gibt nun keinen Masterplan mehr, auf der der Fokus der Handlung liegt. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Hauptziel – Präsident der USA zu werden – erreicht ist und es nunmehr um die schwierige Verwaltung der Position geht. Die ersten Folgen ziehen sich wie Kaugummi, aber dann tippeln die Underwoods mutig auf dem Drahtseil weiter.

 Fazit: Die dritte Staffel House of Cards ist immer noch sehr gute Serienkost. Sehr gut geschrieben, toll gespielt und doch fällt sie im Vergleich zu den hervorragenden Staffeln 1 und 2 leicht ab. 4 von 5 Sternen.

 

 

 

 

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4 Gedanken zu “Auf dem Drahtseil (House of cards, Staffel 3)

  1. Hallo mein Lieber, ich habe diese Serie schon auf Netflix erblickt aber mich noch nicht herangewagt. Allerdings muss ich auch gestehen, schaue ich die ganze Zeit so viel anderen Kram man könnte meinen ich hätte kein Leben hahahaha. Wünsche dir einen schönen Sonntag.

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    • Oh, House of Cards würde ich dringend ans Herz legen! Mit nur einer kleinen Einschränkung: Du solltest es am Stück anschauen! Die Handlung ist beizeiten doch recht komplex und es schwirren viele Namen durch die Luft. Jedenfalls eine tolle Serie mit einigen Dynamiken, die man in anderen Serien nicht so findet: Zum Beispiel verschreibt sich das Ehepaar Underwood gemeinsam dem Ziel, den Gipfel der Macht zu erklimmen. Gemäß dem Satz: Hinter jedem starken Mann, steht noch eine viel stärkere Frau. 😉 Was schaust du denn gerade alles? Wünsch dir auch einen schönen Sonntag!

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    • Ok…..erinnere mich Beizeiten noch einmal daran:) Ich schaue gerade die wöchentliche Serie Better Call Saul. Warte auf die 3 Staffel von Person of Interest und wir haben uns gestern Falling Skies Staffel 3 sowie Under the Dome Staffel 2 gekauft. Ansonsten haben wir auch ein normales Leben hahahaha:)

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