Der Spion, der mich liebte (The Americans, Staffel 1)

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Es ist ein normaler Tag im Hause Jennings: die Mutter bereitet das Abendessen vor, die Kinder decken den Tisch, der Vater schaut ein Spiel im Fernsehen und im Kofferraum in der Garage liegt ein Mann geknebelt und gefesselt. Das familiäre Idyll wird dadurch nicht wesentlich gestört, denn die Eltern machen einfach nur ihren Job. Elisabeth und Philipp  sind KGB-Agenten, leben seit 15 Jahren unter dem Anschein einer normalen Familie in den USA und wir schreiben das Jahr 1981 – der kalten Krieg wird gerade frostig. Die Beiden sind in der UDSSR geboren, ausgebildet und gemeinsam als Paar nach Amerika geschickt worden. Als Tarnung betreiben sie eine Reiseagentur, aber ihre Hauptaufgabe besteht im Erledigen von Spionageaufträge für Mütterchen Russland. Das Spektrum reicht von Überläufern eliminieren, Informationen erpressen, Sekretärinnen manipulieren, geheime Akten besorgen und nebenbei die eigenen zwei Kinder erziehen, die von der Agententätigkeit nichts wissen. Ein spannendes Duell entwickelt durch des Figur des neuen Nachbarn der Jennings, der sich als Top FBI-Mann für Gegenspionage entpuppt. 

 

Der gewahrte Schein

The Americans entführt in eine Zeit, deren Parameter heute nicht mehr gelten. Damals war die kommunistische Ideologie noch lebendig und behauptete sich gegen den Kapitalismus ganz tapfer. Wie stark der

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Glaube an die Ideologie war, sieht man an den beiden KGB-Agenten Philipp und Elisabeth. Während Philipp sich an das Leben in Amerika gewöhnt hat und überlegt, überzulaufen, ist seine Frau Feuer und Flamme für kommunistische Sache. Eher würde sie sterben, als dem Feind in die Hände zu spielen. Für mich war der Gedanke sehr beeindruckend, sein ganzes Leben allein einer Idee, hier des Kommunismus, zu unterwerfen: Mit einem Kollegen eine Scheinehe zu führen, obwohl man den Anderen nicht unbedingt liebt, zwei Kinder zu zeugen, um den perfekten Anschein zu wahren, in einem Land zu leben, das man ablehnt, permanent lügen und betrügen zu müssen, Befehle aus Moskau auszuführen, die man manchmal anzweifelt, seine alte Identität ganz tief in sich zu verstecken und natürlich die ständige Angst aufzufliegen. Was ist das nur für ein Leben? Dieses Konzept gibts nicht nur in der Fiktion, sondern auch in der Realität. Die Situation erinnerte mich an die Methoden der Stasi in der untergegangenen DDR, wenn sogar Ehen mit potenziellen Überwachungsopfern eingegangen und über 20 Jahre geführt werden. Brandaktuell: Vor zwei Monaten wurde in den USA ein russischer Spionage-Ring ausgehoben, der ganz ähnlich agierte wie Philip und Elisabeth in Serie.

Die Ehe im Fokus

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Die Geschichte dreht sich vornehmlich um die beiden Hauptpersonen selbst: Sie kämpfen viel mit- und umeinander – es geht um die klassischen Ehe-Probleme, wie Vertrauen geht. In Werbung heißt es so schön: Vertrauen ist der Anfang von allem. Dabei haben Philipp und Elisabeth wurden von ihrem Führungsoffizier für diese Mission verpflichtet. Kann es sowas wie wahre Liebe geben oder kann sich sowas überhaupt entwickeln? Manipulieren sich die beiden unfreiwilligen Eheleute sich nicht auch gegenseitig? In einer Szene beschuldigt Philipp seine Ehefrau ihn angelogen zu haben. Sie antwortet darauf: „Lying? What does that even mean to us?“ Durch die verschiedenste Rollen und Verkleidungen, in die Philip und Elisabeth schlüpfen, bleibt die eigene Identität ein wenig auf der Strecke. Vor allem mit den Lockmitteln der Beziehung Sexualität werden die Zielpersonen manipuliert. Die attraktive Elisabeth (Keri Russell) zielt auf schnellen Sex ab, um die Männer zu becircen. Philipp (Matthew Rhys) dagegen fängt eine Beziehung mit einer Sekretärin eines FBI-Chefs, die dann sogar in eine Heirat mündet. Die Schwachpunkte der Menschen werden konsequent ausgenutzt. Und beide agieren dabei völlig skrupellos. Ich hab mich immer gefragt, wie man es wohl schafft, so diszipliniert zu sein, seine verschiedenen Rollen immer perfekt zu spielen. Showrunner Joe Weisberg, ein ehemaliger CIA Officier, sieht den Kern der Serie in der Beziehung zwischen Philipp und Elisabeth: „We already know how the Cold War ends. Nobody knows how this marriage will end. Plus, deep down I’m more interested in marriage than espionage.“ Das wäre mir ein zu langweilig. Geschichten über Eheprobleme gibt es mehr als genug.

Ein Ausflug in die 80er.

Gott sei dank ist der Spionage-Teil nicht zu kurz kommen. Geschickt verknüpft Weisberg die Fiktion und das Zeitgeschehen. Der amerikanische Präsident Ronald Reagan wird angeschossen. Das FBI vermutet erst einen Anschlag des KGB, während Philipp und Elisabeth herausfinden müssen, ob der kriegstreiberische Vizepräsident Al Haig ans Ruder kommt. Moskau muss für diesen Fall wappnen. Falls bei ihrem Einsatz etwas schief, muss Philipp die Kinder einpacken und nach Kanada fliehen – Agentenalltag. Oder Reagan spricht von dem berüchtigten Raketenabwehrschild, der Europa und und die USA schützen soll. Die Jennings müssen Informationen besorgen, ob daran was wahr ist, oder nicht. Um die Spannung hoch zu halten sieht man auch die Pläne und Aktionen des FBI, in persona von Gegenspion-Mann Stan Beeman, dem Nachbarn der Jennings. Auch er setzt Menschen unter Druck: Eine Angestellte der russischen Botschaft berichtet ihm über die aktuelle Geschehnisse, bzw. woran gearbeitet wird. Dieses Duell macht für mich den größten Reiz der Serie aus – wie zwei Schachspieler, die immer auf die Züge des Gegners reagieren müssen und gleichzeitig die eigenen Pläne vorantreiben wollen. Zudem ist The Americans ein Ausflug in die 80er Jahre. Während die Serie Mad Men manchmal etwas zu stylisch wirkt, fühlt sich hier das Drumherum sehr natürlich und real an. Ich mochte die Mode, die Musik, Kleidung und das ungewöhnliche Design der Zeit, zwischen den Ausläufern Schlaghose und beginnenden pastellfarbenen Strickpullovern. Vielleicht liegts auch daran, dass ich in der Zeit geboren bin und meine Neugier darauf besonders groß war.

Fazit:  The Americans ist eine gut gemachte Serie, die ein tolles Setting zum Thema hat. Die Geschichte und die Lebensumstände der KGB-Agenten sind spannend. Ich werde dranbleiben. 4 von 5 Sternen.

Hier gehts weiter:

The Americans (Staffel 2)

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10 Gedanken zu “Der Spion, der mich liebte (The Americans, Staffel 1)

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    • Das Intro hat schon ein sehr eigenwilligen Charme, der zur Serie aber wie die Faust aufs Auge passt und das Zeitkolorit genau einfängt. Ja, ich werde die zweite Staffel auch bald nachschieben, bin ja schon im Agentenfieber. 😉

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  3. Die Serie steht schon länger auf meinem Wunschzettel. Ich mag Keri Russell ja schon seit „Felicity“ und Matthew Rhys fand ich in „Brothers & Sisters“ ganz toll. Das Setting klingt auch spannend und deine Besprechung macht Lust darauf!

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