Oscars2015: Mein Ritual + Prognose

©AMPAS

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There’s no Business like Showbusiness… Für mich sind die Oscars immer ein bisschen was besonderes. Warum? Es ist die wichtigste Filmveranstaltung des Jahres. Als Fan von det janze kann mich das nicht unberührt lassen, wenn es kommenden Sonntag wieder soweit ist. Natürlich gibt es Kritiker, die bei dem ganzen Bohei um Stars und Sternchen aufstöhnen, die die Roten-Teppich-Interviews für Zeitverschwendung halten (was es ja auch ist!) oder bei den Diskussionen um die Kleider der Stars nur die Augenbraue heben.

Die Academy

Und dann die Filme selbst: Zahlreiche Unkenrufe gibt es jedes Jahr bei den Nominierungen für den Goldjungen, warum jener „Mist“ es in die Vorauswahl geschafft hat und andere „Meisterwerke“ wiederum nicht. Ein Verbrechen an der Kunst. Aber die Amerikaner sehen sich als Meister darin, den Spagat zwischen Kunst und Kommerz zu schaffen. Altmeister Regisseur Godard würde bei dieser Aussage nur lachen. Manchmal gelingt schaffen es die Juroren, manchmal greifen sie deutlich daneben. Das liegt vor allem an der Zusammensetzung der Entscheider: Rund 5.500 größtenteils weißhaarige Männer wählen die Gewinner eines Filmjahres aus. Dementsprechend haben Filme mit bestimmten Themen besonders gute Chancen, zum Beispiel Biographien (The King’s Speech), Nationalsozialismus und Judenverfolgung (Die Fälscher) oder über die Unterhaltungsbranche (The Artist, Argo) selbst. Und trotz allem mag ich die Oscars. Die Show gehört zu meinem Leben einfach dazu, wie Weihnachten, Silvester oder Geburtstag. Aber für die Filmwelt selbst ist es eine wichtige Veranstaltung: Sie setzt Maßstab in Sachen Filmemachen, in den technischen und leider viel seltener von den erzählerischen Aspekten her. Und sendet hin und wieder politische Botschaften, wie bei 12 years a slave, die Aufarbeitung der Sklaverei in den USA zu intensivieren. Aber ich fieber jedes Jahr aufs Neue mit, ob meine Favoriten das Rennen machen werden. Meine Favoriten, die ich teilweise mehrmals gesehen habe, mit Freunden durchdiskutiert, verglichen, geprüft und gewogen habe. Vielleicht ist es ein Gefühl, wie bei einer Teenagerliebe. Die Phase der Verliebtheit ist wild und stürmisch, verebbt dann auch wieder rasant. Schließlich sammeln sich übers Jahr neue Lieblinge an. Aber die gute Erinnerung bleibt.

Das Ritual

Vielleicht ist es auch der soziale Aspekt, der mich reizt. Seit vielen Jahren verfolge ich die Oscar-Verleihung bis in die tiefen Morgenstunden mit Freunden. Am Abend schauen wir uns zur Einstimmung einen Film aus dem Pool der Nominierten an. Worauf hin eine Tippliste umgeht, wer in diesem Jahr einen Oscar sein eigen nennen darf. Die Taktik sich wachzuhalten ist eine Mischung aus Vorschlafen sowie viel Kaffee oder Spezi trinken. Denn die Nacht geht lang: die vielen Werbepausen stellen den Zuschauer auf eine harte Geduldsprobe und die vielen Kategorien erfordern einiges an Sitzfleisch. Um dann geht die Rote Teppich Vorberichterstattung los, die wir getrost ignorieren. Pro7 Moderator und Mann für alle Fälle Steven Gätjen gut und schön, aber zum großartigen Interviewer ist er nicht geboren. Endlich geht dann die Show los, die jedes Jahr doch ganz anders und ganz eigen ist, was immer mit dem Conferencier des Abends zu tun hat. Als sich Hugh Jackman 2009 die Ehre gab, war es eine grandiose und vergnügliche Nacht mit coolen Witzen und lustigen Einlagen. Dagegen war das Stelldichein mit dem Duo James Franco und Anne Hathaway eher ein Schalteuchaus. Zwischen diesen beiden Polen changiert die gut vierstündige Show. Natürlich bietet das Gesehene Raum für Kommentare und Witze aller Art. Das ist auch bitter nötig. Denn: Je mehr der Morgen graut, desto mehr wird der Zuschauer traktiert. Wenn nur noch die wichtigsten Preise ausstehen, schiebt sich ein Werbeblock nach dem anderen dazwischen. Die Gruppe fängt an zu schwächeln. Die Augen werden schwer und schwerer, der Kopf sitzt schon beinah auf der Brust auf, die Gespräche vor dem Schirm reduzieren sich auf ein Minimum und wir bekommen quasi im Halbschlaf um kurz vor sechs Uhr früh den Gewinner des Besten Films mit. Wer dann bei unserer Tippliste triumphiert hat, interessiert dann keinen mehr. Jeder sucht seine Matratze auf und schläft vielleicht in dem Gefühl ein, dass „sein“ Film gewonnen hat.

Oscars 2015

In diesem Jahr wird Barney Stinson, äh also Neil Patrick Harris, die Show moderieren. Er hat ja schon bewiesen, was für ein Showtalent er ist: So hat er schon verschiedensten Galas und Verleihungen wie den Tonys (Musical-Award) oder den Emmys (Musik-Award) großen Glanz verliehen. Ich bin gespannt! Wait…for it. It gonna be legen…………………………………………………………………….dary!

Nun aber zu meinem Blick in die Glaskugel für die anstehende Oscar-Verleihung: Ich hab nicht alle Filme gesehen, die in diesem Jahr zu Wahl stehen. Aber doch die Wichtigsten, wie ich mir einbilde, um ein Prognose zu wagen. Kategorien, von denen ich nichts oder nur einen Film gesehen habe, sind außen vor. Es verspricht in den wichtigsten Kategorien ein heißes Kopf an Kopf an Kopf rennen zwischen Boyhood (6), Grand Hotel Budapest (9), und Birdman (9), die die meisten Nominierungen verzeichnen.

1. Bester Film

American Sniper
Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit
Boyhood
Grand Budapest Hotel
The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Selma
Die Entdeckung der Unendlichkeit
Whiplash

Wird gewinnen: Birdman

Könnte gewinnen: Boyhood

Sollte gewinnen: Boyhood

2. Beste Regie

Alejandro González Iñárritu – Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit
Richard Linklater – Boyhood
Bennett Miller – Foxcatcher
Wes Anderson – Grand Budapest Hotel
Morten Tyldum – The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Wird gewinnen: Richard Linklater

Könnte gewinnen: Alejandro González Iñárritu

Sollte gewinnen: Richard Linklater

3. Bester Hauptdarsteller

Steve Carell – Foxcatcher
Bradley Cooper – American Sniper
Benedict Cumberbatch – The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Michael Keaton – Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit
Eddie Redmayne – Die Entdeckung der Unendlichkeit

Wird gewinnen: Eddie Redmayne

Könnte gewinnen: Michael Keaton

Sollte gewinnen: Eddie Redmayne

4. Beste Hauptdarstellerin

Marion Cotillard – Zwei Tage, eine Nacht
Felicity Jones – Die Entdeckung der Unendlichkeit
Julianne Moore – Still Alice – Mein Leben ohne Gestern
Rosamund Pike – Gone Girl – Das perfekte Opfer
Reese Witherspoon – Der große Trip – Wild

Wird gewinnen: Julianne Moore

Könnte gewinnen: Reese Winterspoon

Sollte gewinnen: Rosamund Pike

5. Bester Nebendarsteller

Robert Duvall – Der Richter: Recht oder Ehre
Ethan Hawke – Boyhood
Edward Norton – Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit
Mark Ruffalo – Foxcatcher
J.K. Simmons – Whiplash

Wird gewinnen: J.K. Simmons

Könnte gewinnen: Edward Norton

Sollte gewinnen: J.K. Simmons

6. Beste Nebendarstellerin

Patricia Arquette – Boyhood
Laura Dern – Der große Trip – Wild
Keira Knightley – The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Meryl Streep – Into the Woods
Emma Stone – Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

Wird gewinnen: Patricia Arquette

Könnte gewinnen: Emma Stone

Sollte gewinnen: Patricia Arquette

7. Bestes Originaldrehbuch

Alejandro González Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris & Armando Bo – Birdman
Richard Linklater – Boyhood
E. Max Frye & Dan Futterman – Foxcatcher
Wes Anderson & Hugo Guinness – Grand Budapest Hotel
Dan Gilroy – Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis

Wird gewinnen: Birdman

Könnte gewinnen: Grand Budapest Hotel

Sollte gewinnen: Birdman

8. Bestes adaptiertes Drehbuch

Jason Hall – American Sniper
Graham Moore – The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Paul Thomas Anderson – Inherent Vice – Natürliche Mängel
Anthony McCarten – Die Entdeckung der Unendlichkeit
Damien Chazelle – Whiplash

Wird gewinnen: American Sniper

Könnte gewinnen: Whiplash

Sollte gewinnen: Whiplash

9. Bester fremdsprachiger Film

Ida
Leviathan
Tangerines
Timbuktu
Wild Tales – Jeder dreht mal durch

Wird gewinnen: Ida

Könnte gewinnen: Leviathan

Sollte gewinnen: Ida

Bin gespannt, ob meine Prognose eintreffen wird. Meine Trefferquote war in den vergangenen Jahr ganz ok. ….Everything about it is appealing, everything that traffic will allow

Was sind eure Tipps? Was haltet ihr von den Oscars?

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17 Gedanken zu “Oscars2015: Mein Ritual + Prognose

  1. Pingback: Oscars2015: Die politischen Festspiele von Los Angelos | ZIRKUSMANEGE

  2. Ich wünsche euch viel Spaß! 🙂 Hab die Kolleginnen, von denen ich weiß, dass sie sich auch für die Oscars interessieren, schon instruiert, dass sie mich auf keinen Fall morgen spoilern dürfen: ich nehme das Ganze nämlich auf und will es mir – ohne Spoiler – dann morgen Nachmittag ansehen. Da kann ich dann auch die Werbepausen überspringen. Jetzt muss ich nur noch ein Schild umhängen (NO OSCAR SPOILERS), damit mich auch nicht meine Schüler fragen, wie ich es finde, dass XY gewonnen hat…

    Ich habe übrigens ein paar andere Favoriten – z. B. will ich das beste Originaldrehbuch für „The Grand Budapest Hotel“ und besten Hauptdarsteller für Michael Keaton.

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  3. Ich hätte auch gern so Film- und Oscarbegeisterte Freunde wie du. Meine finden die Veranstaltung ziemlich blöde und haben keinen Bock drauf deswegen so lange wach zu bleiben XD Ich selber aber auch nicht, deswegen ist das okay 😉
    jedenfalls liebe ich es auch die anzuschauen, auch wenns bei mir meistens dann erst die Aufnahme des Spektakels am Montag abend wird 😀 Finde es jedenfalls wieder mal sehr erfrischend noch von anderen zu lesen, die sich das gerne geben und nicht immer ausschließlich negatives daran sehen. Mich reißt das immer sehr mit. 🙂
    Und meine Tipps kann man seit heute auf meinem Blog nachlesen – wir haben ein paar Überschneidungen. Finde es sehr interessant, dass du in sollte/könnte/wird gewinnen geteilt hast.

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    • Ja, ich kann die Kritik auch nachvollziehen. Natürlich sind die Golden Globes irgendwie cooler, während die Oscars halt sehr staatstragend daherkommen. Du schaust es dir am Montag noch an? Ich glaub, das könnte ich nicht, da man auf allen Kanälen mit den Infos zum Oscar bombardiert wird. Die Spannung ist für mich ein wesentlicher Reiz. Aber schön, dass dich die Veranstaltung auch mitreißt: Da gibt es nicht so viele – hab ich den Eindruck.
      Nunja die Unterteilung folgt dem Prinzip: Nicht zwangsläufig die eigenen Lieblinge werden gewinnen. Realismus und Wunschdenken soll so abgebildet werden! 😉 Und deine Tipps schau ich mir sofort an!

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    • Danke! Ja, ich verstehe jeden, der ja sagt, warum das Ganze!? Schließlich weiß man am nächsten Tag sowieso das Ergebnis. Aber für mich gehört das Mitfiebern gehört einfach dazu. Demnach dürfte man sonst auch kein Sport-Event anschauen. Der Super Bowl schlägt da in eine ähnliche Kerbe. Dabei ist der Hype um dieses Spiel noch viel größer als bei den Oscars. Was sind denn deine Tipps bezüglich Nominierungen selbst?

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    • Puh, also ich hab‘ nur „Grand Budapest Hotel“, „Boyhood“, „Birdman“, „Guardians of the Galaxy“, „X-Men: Days of Future Past“, „Hobbit 3“ und „Captain America: Return of the first Avenger“ gesehen.

      So gern ich Wes Anderson mag, „GBH“ macht keinen Stich gegen „Boyhood“ und „Birdman“.

      Richard Linklater und A.G. Inarritu zählen zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren und deshalb würde ich möglichst gleichviel Oscars an „Birdman“ und „Boyhood“ verteilen, wobei ich da echte Gewissensprobleme bekomm‘ 😉

      Und bei den Effekten würde ich „X-Men: Days of Future“ für die originelle Quicksilver-Szene belohnen.

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    • Ja seh ich auch, dass Grand Hotel Budapest – obwohl es ein toller Film ist, keine Chance haben wird. Komödien haben es halt schwer. Ich finde Boyhood und Birdman sind wunderbare Filme. Während Boyhood aufs Herz zielt, ist Birdman fürs Hirn. Finde es deswegen schwer zu sagen, der ist besser oder schlechter. Beim Regie-Oscar gilt dasselbe Dilemma. Finde aber, dass Linklater die Trophäe verdient hat. Soviel Disziplin und Ausdauer über 12 Jahre zu beweisen, finde ich schon außergewöhnlich. Was wiederum nicht heißt, dass Birdman nicht auch grandios inszeniert ist. Es ist halt schwierig. Denke so ein spannendes Kopf an Kopf Rennen hat schon lange nicht mehr gegeben.
      Ja bei den Effekten sehe ich neben X-Men auch die Guadrians of the Galaxy weit vorne. Wir werden sehen.
      Bei der Filmmusik wird wohl Hans Zimmer mit Interstellar punkten, zumindest war der Sound dort am Eindrucksvollsten.

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  4. Bisher war es immer zu spät für mich und dann hatte ich nie Lust nachdem mir andere immer schon alles erzähl hatten:) Vielleicht schaffe ich es dieses Mal. Interessant finde ich es allemal auch wenn mich die ein oder andere Starallüre vielleicht auch bedingt aufregt hihihihi.

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