Subtiler Catfight (Orange is the New Black, Staffel 1)

 

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Baden. Den Schaum durch die Finger gleiten lassen, die wohltuende Wärme spüren und den betörenden Duft des Badeöls riechen. Das alles ist für Piper Chapman in der Serie Orange is the New Black aber erstmal vorbei. In der braun gekachelten Dusche des Frauengefängnises Litchfield gibts nicht mal genügend warmes Wasser. Sie verbüßt nun ihre Haftstrafe hinter Gittern, nachdem sie zehn Jahre zuvor als Schmugglerin eines Drogenrings festgenommen wurde. Chapman war jung und naiv: Vor Liebe blind geriet sie dank ihrer damaligen lesbischen Liebschaft Alex in diesen Schlamassel hinein. Im hier und heute hat sie einen liebevollen Verlobten, der sie zu ihrem Haftantritt hinbringt. Von der heilen Welt hinter die Gefängnismauern – ein Kulturschock. Chapman, die innerhalb des Knasts nur noch mit Nachnamen gerufen wird, bekommt vom Gefängnis-Officer hilfreiche Tipps: „Don’t make friends“ und „Lesbians can be really dangerous! It’s about the testosterone.“ Die rauen Sitten im Knast bekommt der Neuhäftling schnell zu spüren. Weil Chapman die russische Küchenchefin beleidigt, muss sie hungern. Um ihre Ausgangslage noch weiter zu verkomplizieren, trifft Chapman dort zufällig ihre ehemalige Partnerin Alex.

 

Grandiose Dramedy

Das Gefängnisleben ist kein Zuckerschlecken, selbst vom Ponyhof kann keine Rede sein. Chapman lernt schnell sich in die vorhandenen Strukturen einzugliedern. Zum Beispiel solle sie sich gefälligst zu ihren weißen Mithäftlingen in der Kantine setzen. Die Latinas, die Schwarzen und die Alten bleiben auch unter sich. Begründung: „It’s not racist, it’s tribal.“ Wie Obama neulich sagte: „Der Rassismus ist in Amerika tief verwurzelt.“ In der sehr sozialkritischen Serie wird bei diesem Thema – wie übrigens bei allen anderen auch – kein Blatt vor den Mund genommen: Rassismus, Drogen, Umgang mit dem Gefängnispersonal, Liebe in Zeiten der Einsamkeit, Ängste – das Vermeiden der Einzelhaft – und auch das nackte Überleben selbst prägen den Alltag im Gefängnis. Nicht zu vergessen sind die kleinen Intrigen und Gemeinheiten unter den Mithäftlingen selbst. Sie gehen dabei weniger wie Katzen aufeinander los, sondern spielen subtil ihre Karten aus. Die Umgebung des Gefängnisses lässt auch keine andere Gangart zu. Dabei ist die Serie eine grandiose Mischung aus sehr lustigen, recht absurden und dramatischen Momenten. Auf gut neuamerikanisch heißt das „dramedy“.

Starke Darsteller

Besonders ist an „Orange is the new Black“ die Vielzahl an starken Charakteren und tollen Schauspielern. Geschickt versteht es Showrunner Jenji Kohan in Rückblenden das Schicksal/den Hintergrund einiger Mithäftlinge Chapmans zu erzählen, warum sie letztlich im Knast gelandet sind. Kohan, die auch schon die Serie Weeds verantwortete, sagte über den Cast: „I would get these audition tapes and it was just one after the other, so good. So we started creating more characters, because we wanted to use more of the girls we saw in the audition tapes.“ Und das merkt man. Hauptdarstellerin Taylor Schilling brilliert als Chapman. Eine sehr facettenreiche Rolle, die vom naiven Hascherl bis zum hinterfotzigen Miststück alles bietet. Neben vielen neuen Gesichtern spielt Kate Mulgrew die herbe russische Küchenchefin. Sie ist den Trekkis besser bekannt als  Kathrine Janeway, Captain der Voyager.

Fazit: Orange is the New Black überzeugt durch starke Charaktere und eine gelungene Mischung aus Komödie und Tragödie. 4,5 von 5 Sterne.

P.S.: Staffel 2 ist bereits erschienen und Staffel 3 in Auftrag gegeben. Die Gefängnisgeschichten werden nicht so schnell ausgehen.

P.P.S.: Ursprünglich hatte ich geschrieben, dass Orange is the New Black die erste Serie von Netflix gewesen sei. Richtig ist, es ist die zweite eigenproduzierte Serie.

 

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10 Gedanken zu “Subtiler Catfight (Orange is the New Black, Staffel 1)

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    • Nein, ich habe bisher noch keine Netflix-Serien gesehen. Werde wohl auch noch bis nach dem Umzug warten, da dann mit einer schnelleren Internet-Leitung vielleicht auch Netflix möglich ist und ich mir somit noch die DVDs spare… 😉

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    • Verständlich. Schließlich laufen dir die Netflix-Serien ja nicht davon. Aber es ist gut investierte Zeit. Die Serien haben doch recht unterschiedliche Schwerpunkte und machen Spaß. Oder anders gesagt: Im Grunde bist du beneiden, denn du hast noch so viel vor dir! 😉

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