Der Mörder, der aus dem Schnee kam (Fargo – Staffel 1)

Die Beschaulichkeit von Montana wird durch geheimnisvollen Fremden gestört. ©FX

Die Beschaulichkeit von Minnesota wird durch einen geheimnisvollen Fremden gestört. ©FX

Lester Nygaard hats verbockt. Er ist die Durchschnittlichkeit in Person: Arbeitet bei einer Versicherung in der beschaulichen Kleinstadt Bemidji in Minnesota und ist unglücklich verheiratet. Er leidet unter seiner Frau und seiner Vergangenheit. Sie nennt ihn einen Loser und der Schläger aus seiner Highschool-Zeit macht ihn als erwachsenen Mann noch lächerlich. Nygaard hat nicht die Eier zurückzuschlagen – bis er einen geheimnisvollen Fremden trifft, der ihn an die Kraft des Kriegers im Mann erinnert. Er solle sich wehren und nicht zurückzustecken, wie er es sein ganzes Leben lang getan habe. Mit fatalen und lethalen Folgen: Beim nächsten Streit bringt Nygaard in einer Affekthandlung seine Frau mit einem Hammer um. Was tun? Der geheimnisvolle Fremde weiß sicher Rat. Und so verdreht sich der harmlose unbescholtene Nygaard immer tiefer in eine Spirale aus Gewalt und Missverständnissen. Denn nicht nur die Polizei beschäftigt sich mit ihm, sondern auch das organisierte Verbrechen ist ihm auf den Fersen. Willkommen bei der Serie „Fargo“!

Gesunder Menschenverstand hilft

Die 10 Folgen der ersten Staffel basieren lose auf dem gleichnamigen Indie-Filmhit, der Mitte der 90er Montana mit einem Schlag auf die filmische Landkarte brachte und Hauptdarstellerin Frances McDormand zum Star machte. Der Film der Coen Brothers setzte auf Mord, Blut, Schnee, schwarzen Humor und liebevoll einfältige Bewohner – mit einer Ausnahme. Eine schwangere Polizistin, die mit einem gesunden Menschenverstand gesegnet war, behält in der Gemütlichkeit und Naivität ihres Umfelds den Durchblick und löst den Fall.

Lester Nygaard verwickelt sich immer tiefer Schwierigkeiten - beizeiten auch in sehr tödliche. ©FX

Lester Nygaard verwickelt sich immer tiefer in Schwierigkeiten – beizeiten auch in sehr tödliche. ©FX

Gutes Spannungsfeld

2014 sieht das ähnlich aus: Das Setting ist dasselbe wie im Film und die Geschichte orientiert sich in sehr groben Zügen am Vorbild. Der wesentliche Unterschied: Der Fall kann größer erzählt werden, mit mehr absurden Nebenhandlungen, wunderbaren Dialogen und schauspielerischen Leistungen, die sich gewaschen haben. Besonders ist hier Billy Bob Thornton als geheimnisvoller Fremder zu nennen, der sich unscheinbar durch den Alltag bewegt, aber eiskalt zuschlägt und wortgewandt seine Mitmenschen manipuliert. Ein toller Bösewicht! Ihm gegenüber steht die gutherzige naive Polizistin Molly Solverson als Gegengewicht. Und  Martin Freeman, alias Lester Nygaard, steht zwischen den Fronten und verkörpert wie kaum ein Schauspieler die Durchschnittlichkeit eines weißen Mittelklasse-Mannes. Der Cast besticht auch sehr gut besetzte Nebenrollen, z.B. Bob Odenkirk – bekannt als Anwalt Saul aus „Breaking Bad“ – als einfältiger Polizeichef oder Oliver Platt – jüngst zu sehen als Gourmetkritiker im Film „Chef“ – als Supermarktmagnat, der plötzlich Gott findet.

Schwarzer Humor pur

Was mir an der Serie gefällt, ist der schwarze Humor, der sich immer wieder Bahn bricht. Zum Beispiel: Das organisierte Verbrechen schickt zwei Gestalten, um den Mord an einem Geschäftspartner zu rächen. Einer der Beiden ist taubstumm und benötigt seinen Kompagnion, um der Situation folgen zu können. Allein in Zeichensprache darzustellen, wie man ein Opfer am besten „entsorgt“ – herrlich. Oder Polizistin Molly Solverson trifft eine Freundin. Die Freundin frägt, was es zu den zahlreichen Morden im beschaulichen Bemidji kommen konnte. Um dann zwei Sätze später die üblichen Floskeln wieder zu verwenden, dass hier nichts los sei.

2015 gehts weiter

Soviel sei verraten: Die erste Staffel von Fargo ist eine in sich abgeschlossene Geschichte. Die zweite Season, die kommendes Jahr erscheinen soll, spielt wieder in Minnesota, aber mit einer neuen Geschichte und neuen Darstellern. (Für diejenigen, die Fargo bereits gesehen haben, die Geschichte soll angeblich die Ereignisse von Sioux Falls im Jahr 1979 beleuchten. Darauf wird in der ersten Staffel ein zwei Mal referenziert.)

Fazit: Für Fans von schwarzem Humor ist Fargo Pflichtprogramm – für alle anderen auch!  Neben Masters of Sex für mich die beste Serie 2014. 5 von 5 Sternen.

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12 Gedanken zu “Der Mörder, der aus dem Schnee kam (Fargo – Staffel 1)

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  5. Danke, dass du mich durch deinen Artikel daran erinnerst, dass ich mir die Serie ja kaufen wollte! Schließlich habe ich ja Martin Freeman schon live erlebt – und ich könnte mir vorstellen, dass er in die Rolle hier besser passt als in die von Richard III.
    „Masters of Sex“ hat mir auch gefallen; nur hab ich dazu immer noch keine Kritik geschrieben…

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