Eine Frau im Zentrum der Macht

In der TV-Serie Borgen (Season 1) wählt Dänemark erstmals eine Ministerpräsidentin – Birgitte Nyborg. Sie darf sich mit Medien, falschen Parteifreunden und der eigenen Familie auseinandersetzen.

Die Macher der Serie Borgen wollten das Wechselspiel zwischen Politik und Medien zeigen. Premierministerin Birgitte Nyborg vor ihrem Fernsehauftritt. (© Danish Broadcasting Company)

Die Macher der Serie Borgen wollten das Wechselspiel zwischen Politik und Medien zeigen. Ministerpräsidentin Birgitte Nyborg vor ihrem Fernsehauftritt. (© Danish Broadcasting Company)

Kanzlerin Angela Merkel sagte einmal sinngemäß auf die Frage nach ihrem historischen Vermächtnis: „Wichtiger als die Leistung ist vielmehr das, was man verhindert hat.“ Ein Satz, der nur erahnen lässt, was sich hinter den Kulissen der Politik alles abspielt. Die dänische Serie Borgen setzt genau da an. Birgitte Nyborg Christensen (hervorragend gespielt von Sidse Babett Kndusen), Spitzenkandidatin der Moderaten, wird dank eines starken Auftritts in der TV-Wahlkampfdebatte erste Ministerpräsidentin von Dänemark. (Die Realität hat ein Jahr nach der Ausstrahlung von Borgen nachgezogen: 2011 wurde Helle Thorning Schmidt die erste Ministerpräsidentin des Landes.)  Sie steigt zur Spitze der Macht auf, von der sie das Land lenkt und allerlei Kampagnen gegen ihre Regierungsmannschaft abwehren muss. Denn die politische Konkurrenz traut Nyborg, die mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern eine glückliche Familie hat, das Amt nicht zu. Dafür hat sie Kaspar Juul (Pilou Abaek) engagiert, der als Spin-Doktor Gerüchte und auch Tatsachen entsprechend „dreht“, um Schaden von der Regierung abzuwenden. Die dritte Hauptfigur der Serie Hauptfigur heißt Katrine Fonsmark und ist TV-Journalistin/Moderatorin (Birgitte Hjort Sorensen) beim dänischen Sender TV1. Ziel der Macher von Borgen war die Verknüpfung von Politik, Medien und Gesellschaft in einer Serie – wie sie voneinander leben und sich gegenseitig treiben.

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Spin Doktor Kaspar Juul und TV-Journalistin Katrine Fonsmark haben in der ersten Staffel von Borgen eine ständige On/Off Beziehung. (© Danish Broadcasting Company)

Dänemark macht Laune

Natürlich ist die Idee, eine solche Serie auf die Beine zu stellen, nicht neu: In der Vergangenheit haben sich zum Beispiel The West Wing oder ganz aktuell House of Cards sich den Ränkespielen in politischen Kreisen gewidmet. Das kommt auch nicht bei Borgen zu kurz, das nach dem Spitznamen der Dänen für den Regierungssitz Schloss Christiansborg benannt ist. Das Besondere dieser Serie ist der skandinavische Charme: Dänemark hat rund 5,6 Millionen Einwohner. Mit anderen Worten, dort kennt fast jeder jeden. Die Leute sind schnell beim Du. In der Serie fährt die designierte Ministerpräsidentin Nyborg mit dem Fahrrad zum Parlament – von Bodyguards keine Spur. Auch die Besucher der Ministerpräsidentin kommen schnell und ohne große Kontrollen zu ihren Amtsräumen. Alles wirkt ein wenig provinzieller nicht ganz so hysterisch und dramatisch, wie das bei den amerikanischen Pendants der Fall ist – sehr angenehm anzuschauen. Das spiegelt sich auch in der Inszenierung der Serie, die kurzweilig, knackig und ohne viel Schnickschnack daherkommt. Probleme gibt es aber auch in einem kleinen Staat wie Dänemark: Wie geht man mit politischen Gefangenen um? Braucht Dänemark einen neuen Kampfjet? Könnte das Geld nicht sinnvoller ausgegeben werden? Das Abhören einer oppositionellen Partei? Birgitte geht diesen Herausforderungen mit gesundem Menschenverstand an und kratzt damit an den politischen dänischen Machtverhältnissen, was ihr viel Ärger einbringt. Diese „unkonventionelle“ Herangehensweise macht sie in den Augen des Zuschauers sehr sympathisch. Entscheiden mit Vernunft – würden wir uns das nicht alle wünschen, mehr oder weniger frei von parteipolitischen Zwängen? Zudem sucht sie sich für ihre Anliegen bei allen Parteien ihre Mehrheiten zusammen – ein Vorgehen, wie es in realiter bei unseren nördlichen Nachbarn gang und gäbe ist. Seit 1909 hatte keine einzige Parlament die Mehrheit inne gehabt. Der Wähler will es anscheinend so.

Die Familie der Premierministerin im Laufe der ersten Staffel zu Bruch. (© Danish Broadcasting Company)

Die Familie der Premierministerin geht im Laufe der ersten Staffel in die Brüche. (© Danish Broadcasting Company)

Der Preis der Macht

So erfolgreich Birgitte Nyborg die Fallstricke der Politik meistert, so zahlt sie doch einen hohen Preis dafür: Ihre intakte Familie geht in die Brüche. Sie hat keine Zeit, sich um ihre Kinder zu kümmern. Termine, Auslandsreisen, Vorbereitung auf den nächsten Gast lassen das einfach nicht zu. Zwar übernimmt ihr Ehemann die häuslichen Pflichten und die Versorgung der Kinder, dafür stellt er seine beruflichen Ambitionen zurück. Das geht nicht lange gut. Der Parteichef der Moderaten meinte dazu resignierend: „Es ist ein fürchterlicher Widerspruch. Im Parlament kämpfen wir für die moderne Familie, in der beide Eltern arbeiten. Damit aber eine Familie eines Parlamentsabgeordneten funktioniert, muss die Frau zuhause bleiben.“ Ich stelle diesen Aspekt der Familie deswegen so raus, weil ich ihn so in einer Serie noch nicht gesehen habe. Ein spannender Handlungsstrang, schließlich ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine der drängenden Fragen in unserer Gesellschaft. Gleichzeitig durchläuft Birgitte eine deutliche Wandlung: Von einem familienorientierten Menschen hin zu einer Machtpolitikerin, die sich ganz in den Staatsdienst stellt. Es ist es vielleicht ein Glück, dass Frau Merkel keine Kinder hat?

Die Macht der Medien

Die Rolle der Medien nimmt sehr viel Raum bei Borgen ein. Denn der Sender Tv1, der öffentlich-rechtliche Sender des Landes, richtet oftmals über die Politik und lebt von den Verfehlungen der Protagonisten im Scheinwerferlicht – nur das sind die wirklichen Stories. Andererseits nutzen die Politiker ihre TV-Auftritte gekonnt, um Werbung für ihr Anliegen oder ihre Person zu machen. Diese Symbiose klappt in der Serie hervorragend, denn die Politiker bekommen schnell und unkompliziert ihre Sendezeit. Für die TV Station wird es dann problematisch, wenn sie sich vereinnahmen lässt.  Zum Beispiel soll eine Home-Story der Ministerpräsidentin ins Programm kommen und der letzte Schnitt des Beitrags liegt beim Spin Doktor der Ministerpräsidentin. Opfert man seinen Status als neutrale Nachrichteninstitution und seine journalistische Sorgfaltspflicht zugunsten einer guten Quote? Borgen nimmt sich dieser Zwickmühle gekonnt an.

Fazit: Borgen (Season 1) ist eine wunderbare Politserie aus Dänemark, die mir das Land sehr sympathisch gemacht hat. Kopenhagen, ich komme!

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7 Gedanken zu “Eine Frau im Zentrum der Macht

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  4. Danke für deinen Kommentar! In Deutschland ist ja immerhin die Angie an vorderster Front. Aber klar, es gibt noch einigen Nachholbedarf.
    P.S: Nur am Rande: Borgen ist ne Serie – müsstest du mehr als zwei Stunden einplanen! 😉 Viel Spaß beim Schauen!

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  5. HI,
    ohja Frauen sollten auch nicht nur im Film an die Macht kommen. Immerhin studieren sie ja auch und haben das gleiche Anrecht auf die Anerkennugn wie die Männer.

    Danke das du den Film vorgestellt hast. Den werd ich definitiv mal anschauen.

    Liebe Grüße
    Lessly

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