„Größer ist besser, ist ein Mythos“ („Masters of Sex“ Season 1)

MASTERS OF SEX (Pilot)

Michael Sheen als Dr. William Masters and Lizzy Caplan als Virginia Johnson in der Serie „Masters of Sex“ (Photo: Craig Blankenhorn/SHOWTIME)

William Masters ist aufgeregt. Er hat einen Vortrag zu halten – das ist für ihn kein Problem. Aber er muss seine Zuhörer, rund 80 Ärzte und Manager eines Krankenhaus im Mittleren Westen der USA, überzeugen.  Schließlich geht es dem Gynäkologen Masters um die Finanzierung seiner Studie: „Was passiert, wenn Menschen Sex haben?“ In den 1950er Jahren kein leichtes Unterfangen, denn Sex war ein großes Tabu.  Nur wenn Masters die Herzen und Hirne für sich einnimmt, muss er nicht mehr nach Feierabend in ein Bordell fahren, um Daten zu sammeln und zu forschen.  Um den hauptsächlich anwesenden Männern zu gefallen, verkündet er: „Größer ist besser, ist ein Mythos.“ Eine Frau würde einen kleinen Penis als genauso angenehm empfinden wie einen großen. Dankbares Raunen im Raum.

Gewagte These von William Masters: Auf die Größe kommt es beim Sex nicht an.

Gewagte These von William Masters: Auf die Größe kommt es beim Sex nicht an.

Kinderzeugen mit Gott

Diese Szene spielt in der Serie „Masters of Sex„, die einmal mehr den derzeitigen guten Ruf amerikanischer TV-Produktionen weiter festigt. Die erste Staffel handelt von William Masters (Michael Sheen) und seiner Sekretärin Virginia Johnson (Lizzy Caplan), wie sie versuchen, grundlegende Dinge über die Sexualität wissenschaftlich zu entschlüsseln. Leichter gesagt als getan, da das gesellschaftliche Klima gelinde gesagt prüde war. Sich berühren ist eine Sünde. Die Verteufelung des Körpers durch die christliche Religion hat da volle Arbeit geleistet. Über Sex, Wünsche usw. zu reden war verpönt, geschweige denn darüber zu forschen. Kein Wunder, dass die Unwissenheit groß war. Manche Zeitgenossen glaubten damals noch, es würde reichen, sich nebeneinander ins Bett zu legen, um ein Kind zu zeugen. Gott wird den Rest übernehmen! Vor 60 Jahren war die Aufklärung des Geistes schon 200 Jahre alt war, jedoch die sexuelle Aufklärung stand noch nicht mal in den Kinderschuhen. Das Nichtwissen hatte Tradition, wie hier im Video zu sehen ist.

Fortschrittsgläubig

„Masters of Sex“ fängt den Zeitgeist der 50er Jahre sehr gut ein – allerlei Themen der damaligen Zeit werden angeschnitten und fließen in das Bild mit ein. Parallelen zur Serie Mad Men sind nicht von der Hand zu weisen. Für seine Studie benötigt Masters zahlreiche Freiwillige, die verkabelt werden und unter seinen Augen Sex miteinander haben. Die Probanden selbst rechtfertigen „das sündige Treiben“ damit, dass sie der Wissenschaft und damit der Menschheit ein guten Dienst erweisen würde. Die Serie ist vom diesem Pioniergeist durchdrungen. Aber auch mit den Auswirkungen der technologischen Erfolge müssen die Menschen kämpfen: In einer wunderbaren Folge übt das Personal des Krankenhauses, in dem Masters arbeitet, den atomaren Ernstfall ein. Die Angestellten suchen unter ihren Schreibtisch Schutz, um vor der Explosion und dem Fallout sicher zu sein. Die Kampagne lautete in 50ern „Duck and cover“ – das wunderbar naive Erklärvideo aus der Zeit lässt einen heute nur den Kopf schütteln. Und ja, das war Ernst gemeint.

Stoppuhr beim Sex

Eine schöne Analogie wird in der Serie aufgegriffen: Die Erforschung des Weltraums und der menschlichen Sexualität, den Drang die Grenzen des menschlichen Wissenshorizonts weiter aufzustoßen. Im Falle der Sexualität wirft das viele Fragen auf, die angestoßen werden – natürlich aus dem Blickwinkel der damaligen Zeit: Gibt es Sex ohne Liebe? Kann man Homosexualität heilen? Sex im Alter, gibts das? Masters nimmt sich solchen Fragestellungen zu jeder Tages- und Nachtzeit an. Im Urlaub hört er ins einem Hotelzimmer von den Nachbarn unmissverständliche Geräusche und nimmt daraufhin seine Stoppuhr zur Hand, um die einzelnen Phasen des Beischlafs festzuhalten. Und das, obwohl seine Frau in diesem Moment eigentlich von ihm schwanger werden will. Die Figur des William Masters ist emotional stark unterkühlt, worunter besonders seine Frau zu leiden hat. Sein Fokus liegt einzig und allein auf der Wissenschaft. Den Gegenpart nimmt seine attraktive Sekretärin Virginia Johnson ein, die ihr Sexleben genießt. Mit ihrem weiblichen Blick der Dinge korrigiert sie Masters in manchen Aspekten seiner Studie und bringt neue Ansätze ein. Die Forschung hat auch ihr Gutes: So manche „erotische Betroffenheit“ bringt das Privatleben der Protagonisten gehörig durcheinander – im Grunde eine Selbstverständlichkeit bei solchen Serien. Wer süchtig geworden ist, dem kann geholfen werden. Staffel 2 läuft derzeit in den USA und Staffel 3 ist bereits in Auftrag gegeben worden.

Fazit: Überzeugende Darsteller, interessante Handlungsstränge, gutes Produktionsdesign. Anschauen!

 

 

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9 Gedanken zu “„Größer ist besser, ist ein Mythos“ („Masters of Sex“ Season 1)

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  6. Die Serie ist toll – und sie wird besser 🙂 Mir gefällt, dass so viele Themen aufgregriffen werden. Leider nimmt die dt. Synchro der Serie die Tiefe, weil besonders Lizzy Caplan ziemlich platt wirkt. Im Original haucht sie mehr….

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    • Hast du schon die zweite Staffel gesehen? Wie die deutsche Syncro ist, weiß ich ehrlich gesagt – habe auch nicht vor das rauszubekommen! 😉 Aber ja, Frau Caplan macht eine äußerst attraktive Figur – in jeder Beziehung.

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  7. Danke für deinen Kommentar. Ja, Masters ist sehr unterkühlt und unsympathisch – aber genau deswegen funktioniert die Serie ja auch – sonst gäbe es bei den Charakteren zu wenig Reibung und sonst wäre alles ein wenig Friede, Freude, Eierkuchen. „Friends“ ist natürlich immer eine gute Wahl. 😉

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  8. Ich habe die erste Staffel geschaut, als alles andere von mir durch war (ich glaube, es war die Winterpause letztes Jahr) und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich die Serie nun mag oder nicht. Masters ist einfach ZU unsympathisch und die Figuren sind alle (außer Lizzy) recht platt. Konnte mich bisher noch nicht dazu bringen, Staffel 2 zu schauen – Friends Rewatch macht irgendwie mehr Spaß.

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